Isolationsjacken im Test

Test: Daunen- und Kunstfaserjacken zum Klettern

Test: Winterjacke / Daunenjacke fürs Klettern & Bergsteigen
Foto: Arcteryx

Damit ihr immer schön warm bleibt, stellen wir aktuelle Jacken mit Daunen- oder Kunstfaser-Isolierung vor und erklären, welche sich wofür eignet. Vergleichbare Produkte im Test

Selbst diejenigen, die es im Winter zum Klettern in wärmere Gefilde zieht, tun gut daran, eine warme Jacke im Gepäck zu haben. Wieder zurück in mitteleuropäischen Gefilden, ist ein gut isolierendes Kleidungsstück sowieso unumgänglich. Und beim Bouldern im winterlichen Bleau, beim Eisklettern oder auf Skitour darf es dann auch etwas dicker sein.

Damit ihr gegen Grade um und unter Null gewappnet seid, haben wir uns je vier Jacken mit Daunen­ und Kunstfaserisolierung für unterschiedliche Einsatzbereiche angeschaut. Die Palette reicht von ordentlich dick wie bei den Modellen von Arc‘teryx oder La Sportiva bis zu den ultraleichten Jacken von Norrøna und Patagonia. Mit dem Nordwand Jacket von Mammut ist auch eine wasserdichte Jacke dabei. Alle Jacken kommen in diesem Winter neu in den Handel und weisen neben neuen Isolationsmaterialien auch einige konstruktiv Besonderheiten auf.

Kunstfaser oder Daune?

Das ist für manchen schon fast eine Glaubensfrage. Sehen wir es ganz nüchtern von der praktischen Seite: Eine Daunenjacke bringt bei gleichem Gewicht immer noch eine bessere Wärmeleistung als ihr Kunstfaserpendant – trotz immer neuer Materialien.

Ihr großer Nachteil: Bei Nässe verliert sie schnell an Bauschkraft und klumpt. Das ist auch bei wasserfest behandelter Daune im Lauf der Zeit so, besonders wenn etwa ein Rucksack die Füllung zusammendrückt. Behandelte Daune trocknet allerdings schneller als unbehandelte. Bei schweißtreibenden Aufstiegen mit Rucksack sind Daunenjacken aber fehl am Platz. Einmal durchgeschwitzt sind sie nutzlos wie ein nasses Unterhemd. Alle vier Hersteller in unserem Artikel verwenden im Übrigen nur europäische Daune von Tieren, deren Haltung den entsprechenden Normen und Standards genügt.

Der große Vorteil der Jacken mit Kunstfaserfüllung liegt klar darin, dass sie unempfindlich gegen Nässe sind. In puncto Wärmeleistung sind die Kunstfasermaterialien dank neuer Technologien kräftig am Aufholen. Dazu werden die Eigenschaften von Daune in ihrer Faserstruktur und Bauschkraft so weit wie möglich imitiert.

In der Featherless Kollektion von Marmot kommt ein zusammen mit 3M Thinsulate entwickeltes, loses Material zum Einsatz, das wie Daunen in Kammern gefüllt wird. Nach einem ähnlichen Prinzip arbeitet Thermoplume von Primaloft, das im Icarus Jacket von Montane seinen Dienst verrichtet. Und auch Patagonia bringt mit Plumafill ein neues Material an den Start.

Auf die Verpackung kommt es an

Die Wärmeleistung einer Jacke nur an Art und Menge des Isolationsmaterials festzumachen, würde zu kurz greifen. Konstruktion und Ausstattung tragen einiges zur Performance bei. Eine gut sitzende Kapuze steigert die Wärmeleistung einer Jacke um bis zu 25 Prozent. An den Kapuzen hier im Feld, ob anpassbar oder nicht, gibt es in dem Punkt nix zu meckern. Auch ohne aufgesetzte Kapuze sollte der Kragen dicht anliegen, damit keine Wärme entweicht. Für Ärmelbündchen und Saum gilt dasselbe.

Um keine Kältebrücken zu bilden, brauchen die Reißverschlüsse eine Abdeckung. Durchgesteppte Nähte sind ebenfalls Kältebrücken und verringern so die Wärmeleistung, gehören in dieser Jackenkategorie aber meist zum Standard. Nur beim Command Jacket von La Sportiva und dem Sonderfall Mammut sind die Nähte nicht durchgesteppt.

Der Tatsache, dass der Körper an unterschiedlichen Stellen unterschiedlich viel Wärme benötigt, tragen die Hersteller durch sogenanntes Bodymapping Rechnung. So sind etwa bei Berghaus und Montane die Kammern unter den Armen und seitlich am Rumpf kleiner gehalten und weniger stark mit Daune oder Kunstfasern befüllt. Clever konstruiert erhöhen solche Maßnahmen auch die Bewegungsfreiheit.

Damit eine Jacke ihre volle Leistung ausspielen kann, sollte sie gut passen und weder zu weit, noch zu eng sein. Bei einer Körpergröße von 1,80 Meter und normaler Klettererstatur empfiehlt sich bei fast allen hier vorgestellten Jacken die Größe M. Bei besonders breitschultrigen Zeitgenossen wird es da im Icarus Jacket von Montane aber schon ziemlich eng. Auch die beiden Wärmeriesen von Arc‘teryx und La Sportiva sind relativ körpernah geschnitten.

Wer mehr Wert auf Komfort legt oder noch dick was drunterziehen will, sollte auch bei diesen beiden eine Nummer größer wählen. Dies aber nur als Richtwerte, denn Probieren geht wie immer über Studieren. A propos drunter ziehen: Bei allen Jacken und vor allem bei den Leichtgewichten sollte natürlich darunter eine dem jeweiligen Temperaturbereich angepasste Kleidung getragen werden.

Keine für Alles

Das Feld der vorgestellten Jacken ist sehr breit gefächert. Deswegen lassen sie sich nur bedingt miteinander vergleichen, dafür ist aber für fast jeden Einsatz eine passende Jacken dabei. Nur dicke Expeditionsjacken finden in unserer Auswahl nicht.

Das Cerium SV Hoody von Arc‘teryx und das Command Jacket von La Sportiva sollten für fast alle Fälle in unseren Breiten als Wärmespender ausreichen. Das Ramche Mirco Down Jacket von Berghaus isoliert etwas weniger, glänzt aber durch sein geringes Gewicht. Wenn es richtig nass wird, kann die Jacke von Mammut ihre Trümpfe ausspielen.

Robust und unempfindlich gegen Nässe sind auch das Featherless Hoody von Marmot und das Icarus Jacket von Montane. Beide Jacken eignen sich auch als Zwischenschicht. Super leicht und immer dabei: Die Teile von Norrøna und Patagonia wiegen so gut wie nichts und eignen sich bestens bei weniger extremen Temperaturen oder als Zwischenschicht. Der Winter kann kommen.