Warum sind die Japaner so stark?

Japanische Boulderer erfolgreich
Foto: IFSC | Eddie Fowke

Das japanische Boulderteam beeindruckte 2017 mit seiner Leistungsdichte auf hohem Niveau. Japans Coach Benjamin Hartmann verrät, warum das so ist.

Dieses Interview erschien unter der Rubrik "Nachgefragt" in klettern-Ausgabe 2-2018

Im Durchschnitt 7,3 Japaner unter den ersten 20: 2017 wurde der Boulder-Worldcup der Herren von den Japanern klar dominiert. Wie erklärst du dieses tolle Abschneiden?
Das kommt nicht überraschend. Wir haben nun das vierte Jahr in Folge die Nationenwertung im Bouldern gewonnen, dieses Jahr allerdings mit dem bislang größten Abstand. Was Podestplätze angeht, müssen wir noch etwas besser werden. Aber das schaffen wir auch! Die Leistungsdichte ist so hoch, dass es 2017 Tomoaki Takata als WM-Achter von Paris 2016 nicht ins Nationalteam geschafft hatte. Diese Leistungsdichte schafft eine starke Gruppendynamik und eine gesunde Konkurrenzsituation.

Foto: IFSC | Eddie Fowke
Flüssige Bewegung und geschmeidige Beweglichkeit verhelfen den Japanern zu ihrem ansehnlichen Kletterstil.

Japans Erfolgsgeheimnis beim Bouldern

Konkret: Was machen die japanischen Kletterer und Boulderer besser als andere?
Beim Bewegungsgefühl und der Bewegungsqualität sind sie top. Ihre gute Beweglichkeit ist dabei sicher von Vorteil. In Japan gehört Dehnen zum Kletteralltag einfach dazu, auch bei der breiten Masse. Außerdem gibt es einen Mentalitätsunterschied: In Deutschland ringt man einen Boulder irgendwie nieder, dann ist er abgehakt. Die Japaner versuchen, einen Boulder schön und effizient zu klettern und probieren so lange, bis ihnen das gelingt. Erst dadurch lernst du, dich gut zu bewegen. Nicht umsonst bewerten die Japaner ihre Boulder nach der Dan-Skala – wie im Kampfsport. Dort geht es ja nicht nur darum, hart auf die Fresse zu hauen, es geht vor allem um einen schönen Bewegungsfluss.

Trainieren die Japaner anders als die Konkurrenz?
Ich denke, im Vergleich zu anderen trainieren wir mehr an der Wand. Isoliertes Krafttraining macht kaum jemand, wenn dann funktionelles Krafttraining, das sich an kletterspezifischen Bewegungsabläufen orientiert. Wir sind nicht die stärksten, aber wir bringen die Kraft sehr effizient an die Wand!

Foto: IFSC | Eddie Fowke
2017 gab es im Boulder-Weltcup kaum ein Podium ohne japanische Beteiligung.

Wie populär ist Klettern und Bouldern in Japan?
Extrem populär, insbesondere Bouldern. Das liegt auch daran, dass wir als Verband seit einigen Jahren unser Sportmarketing professionalisiert haben und mit einer sehr renommierten Marketing-Agentur kooperieren. Das hat den Effekt, dass wir als Sport in Japan sichtbar sind. Wir haben finanzkräftige Sponsoren bekommen, die nicht aus dem Outdoor-Bereich stammen. Bei einem öffentlichen Training sind auch mal mehr als 60 Journalisten und 20 Fernsehteams vor Ort. Dagegen hat man es in Deutschland sehr schwer, gegen das Fußballmonopol anzukommen.

Was wird konkret getan, damit die Japaner bei Olympia 2020 in Tokio auf die Podestplätze klettern?
Durch unsere Erfolge in letzter Zeit haben wir sehr gute Rahmenbedingungen. Wir können regelmäßig im Nationalen Olympischen Trainings­center trainieren, werden vom Japanischen Olympischen Komitee und dem Institut für Sportwissenschaft unterstützt. Das bedeutet gezieltes Training, Reha-Maßnahmen und auch finanzielle Förderung.

Danke Benny!

Foto: IFSC | Eddie Fowke
Die Boulder-Gleichung: Bewegungstalent + Kraft = Erfolg.
Foto: Markus Born Benjamin Hartmann
Benny Hartmann.

Benjamin "Benny" Hartmann (34)

... klettert seit 18 Jahren und bouldert bis 8A+. Seit 2011 produziert er mit seinem Bruder unter dem Label Wataaah Klettergriffe, seit neun Jahren betreut er das japanische Boulder-Nationalteam. Außerdem arbeitet er als Routenbauer und hat die Leistungs-Analyse-Plattform "Kraftolizer" entwickelt.