Kletter-Ziele für den Winter

Toptipps: El Chorro, Sardinien, Kreta, Calanques

Klettern in El Chorro
Foto: Kieran J Duncan

Die besten Ziele für Klettertrips im Winter finden sich im Süden. Dürfen wir vorstellen: El Chorro, Sardinien, Kreta und die Calanques.

Wenn in Deutschland Schneematsch angesagt ist, zieht es uns zum Klettern gern in südliche Gefilde. Hier präsentieren wir vier geniale Klettergebiete, die richtig Lust auf Kletter-Urlaub machen.

Klettern in El Chorro

El Chorro ist das traditionsreichste Klettergebiet im Süden Spaniens. Bereits Anfang der 80er-Jahre wurden hier die ersten Sportkletterrouten eingebohrt. Seither hat sich viel getan, der alte berüchtigte Camino del Rey ist nicht mehr. Seit 2015 verläuft der neue Caminito direkt über dem alten und ist inzwischen die Touristenattraktion der Gegend. Dass deswegen die Routen direkt in der Schlucht nicht mehr beklettert werden dürfen, wurde durch zahlreiche Neuerschließungen an den Frontales, der großen Wand über dem Ort, und in anderen Sektoren mehr als wettgemacht.

Mit Los Cotos, El Polverin und Makinodromo sind drei Sektoren in der Schlucht erhalten geblieben. Das Gros der Kletterei spielt sich heute aber außerhalb der Schlucht ab. Geboten wird alles, was das Sportkletterherz begehrt. Mit rund 250 Routen bis maximal 6a+ ist El Chorro auch ein ideales Wintergebiet für Einsteiger. El Chorro ist von Malaga aus mit der Bahn leicht zu erreichen. Wer will, kommt so auch ohne Mietwagen aus. Viele Sektoren sind zudem vom Ort problemlos zu Fuß zu erreichen.

Foto: Kieran J Duncan
Leevi Toratti probiert 'Sandokina' (8a+) im Sektor Desplomilandia.

Info zum Klettern in El Chorro

Lage: Im Herzen Andalusiens rund 60 Kilometer nordwestlich von Malaga. El Chorro ist von dort auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen.

Routen: El Chorro selbst bietet rund 1000 Routen in allen Graden, darunter auch einige lohnende Mehrseillängenrouten. Nimmt man die in der Nähe liegenden Gebiete El Torcal, Valle del Abdalajis und Túron dazu sind es über 1200.

Führer und Infos: Ende 2018 ist die neue Auflage des El Chorro Führers aus dem englischen Rockfax Verlag erschienen. Neben El Chorro enthält er noch vier weitere Gebiete im Landesinneren und drei an der Küste. Gute Infos im Web gibt es unter www.cartowall.com (Wandfotos mit Linien und Infos) und auf der Webseite von Bernabe Fernandez (www.bernabefernandez.com). Dort finden sich hauptsächlich Infos und Topos von Mehrseillängenrouten.

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Foto: Volker Leuchsner
Eine Wanderung über den neuen Caminito del Rey lohnt allein wegen des Tiefblicks in die Schlucht.

Klettern auf Sardinien

Man braucht nicht unbedingt ein Boot, um in dieser etwas anderen Ecke Sardiniens klettern zu gehen. Die Landschaft ist geprägt von einer schroffen Felsküste, dicht bewaldeten Hügeln im Hinterland und vom Bergbau. Doch es locken viele extrem abwechslungsreiche Felswände von unterschiedlichster Länge.

An den Küstenfelsen beim Porto Flavia gibt es einige beeindruckende Mehrseillängenrouten und nebenan im Castello dell‘Iride kommen Sportkletterer auf ihre Kosten. Sportklettern pur ist rund um die Grotta di San Giovanni bei Domusnovas angesagt. Kaum zu glauben, dass auf der Straße durch die riesige Grotte früher der Verkehr rollte. Rund 600 Routen warten allein in diesem Gebiet. In der Nähe der ehemaligen Bergbausiedlung Arenas verstecken sich in den Wäldern die Sektoren der Punta Pilocca mit ihrem unglaublich kompakten Traumkalk. Letzterer entschädigt allemal für die etwas abenteuerliche Anfahrt und den Zustieg.

Das Tüpfelchen auf dem i sind für den einen oder anderen zwei Trad-Gebiete: Sard Grit auf der Insel Isola San Pietro und die Granittürme und Wände am Capo Pecora. Es lohnt sich also durchaus, beim nächsten Trip nach Sardinien auch Keile und Friends einzupacken.

Foto: Joachim Stark
Joe Lunger klettert 'Metafisica della Qualita' (6b+, 130m) in Porto Flavia, Masua.

Info zum Klettern auf Sardinien

Lage: Die hier vorgestellten Gebiete liegen im Südwesten rund um Domusnovas, Iglesias und Masua.

Routen: Über 1300 Routen von 3 bis 9a+. Davon rund 1100 Sportklettereien und knapp 200 Trad- und Mehrseillängenrouten bis 210 Meter Länge.

Führer und Infos: Die beiden Führer, „Pietra di Luna Klettergärten“ sowie „Trad & Multipitches“ von Maurizio Oviglia sind zwar schon etwas in die Jahre gekommen, bieten aber immer noch die Basis zum Klettern auf Sardinien. Gute Infos zu Sektoren und Routen gibt es im Web unter www.arrampicatasardegna.com oder www.climbingsardinia.com

Bilder: Bouldern auf Sardinien

Klettern auf Kreta

Auch die südlichste und größte Insel Griechenlands bietet Fels in rauen Mengen – entlang der schier endlosen Küste, in einer der zahlreichen Schluchten oder in den Bergen, die bis 2000 Meter Höhe aufragen. Das bekannteste Gebiet aus einem knappen Dutzend ist Agiofarango an der Südküste mit rund 125 Routen von 4b bis 8b. Geklettert wird an den Wänden einer wunderschönen Schlucht, die mit einem Traumstrand direkt am Meer endet.

Aber auch die anderen Gebiete lohnen einen Besuch. Da wäre etwa die senkrechte Kalkplatte von Plakias. Das Routenangebot reicht hier von extrem kleingriffig über Risse bis zu Sintern. Freunden von Sinterüberhängen wird beim Anblick der Tersanas Cave der Mund offen stehen bleiben. Bei Kapetania im Süden der Insel wartet in der Nähe des 1230 Meter Berges Kofinas ein weiteres Klettergebiet mit über 100 Routen mit vorwiegend leichteren Routen. Während auf Kalymnos oder in Leonidio ein Sektor nach dem anderen aus dem Boden schießt, liegt das Kletterpotenzial von Kreta noch im Dornröschenschlaf. Für ambitionierte Erschließer und solche, die es werden wollen, gibt es hier also noch viel zu entdecken.

Zu entdecken gibt es aber nicht nur Felsen. Denn Kreta hat seine eigene bewegte Geschichte, die von der minoischen Kultur bis in die Neuzeit reicht, einen speziellen Dialekt und eine formidable Küche. Auch wenn die Strände dann nicht mehr zum Baden locken: Dem ungemütlichen Winterwetter in unseren Breiten kann man auf Kreta ausgezeichnet aus dem Weg gehen.

Foto: Jim Thornburg
Gabrielle Nobrega klettert 'Minotaurus' (7b) in Plakias.

Lage: Aktuell verteilt sich etwa ein Dutzend Klettergebiete auf die ganze Insel, die über die Flughäfen Chania und Heraklion auch im Winter von verschiedenen Reiseanbietern angeflogen wird.

Routen: Aktuelle Information sind zu den meisten Gebieten schwer zu erhalten. Grob geschätzt gibt es derzeit über 500 Routen von 3c bis 8c.

Führer und Infos: Die Auflage 2017 von „Greece, the best of sport climbing“ enthält drei Gebiete auf Kreta (www.climbgreece.com). Alle weiteren Gebiete finden sich in zwei älteren Führern von La Corditelle (www.lacorditelle.com). Touristische Infos gibt es im Web zuhauf, etwa visitcrete.com.

Foto: Jim Thornburg
Erst klettern, dann baden lautet das Motto nicht nur in Agiofarango.

Klettern in den Calanques

Schmale, felsgesäumte Buchten mit weißen Steilwänden, die tief in eine von Pinien bestandene Hochfläche einschneiden, dahinter das tiefe Blau des Mittelmeers: Die Calanques, zwischen Marseille und Cassis an der Côte d‘Azur gelegen, sind eines der landschaftlich schönsten, größten und ältesten Klettergebiete Südfrankreichs. Die Calanques stellen den einzigen ökologisch noch halbwegs intakten Küstenabschnitt zwischen Spanien und Italien. Viele der zahllosen Routen liegen an nach Süden ausgerichteten und vor dem kalten Mistral geschützten Wänden. Ein Traum von warmem Fels im Winter!

In rund 150 Sektoren der Calanques warten hauptsächlich Mehrseillängen, aber es gibt uch überhängende Sportklettereien, Pfeiler, Kanten. Freut euch auf richtige Gipfel und ausgesetzte Klippen! Eine Spezialität sind dabei die teils berüchtigten, ewig langen Quergänge direkt über dem Meer. Auch hier gibt es die ganze Palette von gut gesichert und in angenehmen Schwierigkeitsgraden bis schwer und abenteuerlich. Neben der Tatsache, dass bei Quergängen Vor- und Nachsteiger gleich stark sein sollten, können einem Wind und Wellen die Kletterei gut würzen.

Die Nähe der Großstadt Marseille hat Nachteile (Staus und Diebstahlgefahr), dafür aber den Vorteil, dass manche Ausgangspunkte auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen sind. In den Sommermonaten von Anfang Juni bis zum zweiten Wochenende im September kann der Zugang bei hoher Waldbrandgefahr verboten werden. Zudem gelten im Sommer zeitliche Beschränkungen.

Foto: Sam Bié
Stephane Doye und Gilles Bernhard in der letzten Seillänge des Quergangs 'Pen-Duick' (7a, 6b obl, 7SL).

Info zum Klettern in den Calanques

Lage: Das „Massif des Calanques“ erstreckt sich über 20 Kilometer zwischen Marseille und Cassis. Als Ausgangspunkt bietet sich Cassis mit Campingplätzen und vielen Ferienwohnungen an.

Routen: Über 3500 Routen (2 bis 9a)von der gut gesicherten Sportkletterei bis zum alpinen Technohammer.

Führer und Infos: Der aktuelle Führer „Escalade les Calanques“, erschienen 2017, liefert auf über 600 Seiten alle erdenklichen Infos zum Klettern in den Calanques. Hilfreich zur Orientierung ist eine gute Wanderkarte: „Les Calanques de Marseille à Cassis“, IGN 3615, 1:15 000. Unter www.calanques-parcnational.fr gibt es Infos zum Nationalpark.

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Foto: Sam Bié
Für sonnenhungrige Kletterer im Winter empfohlen: die faszinierende Kletterei der Calanques.