Frankenjura Liebeserklärungen

Verliebt ins Frankenjura

Klettern im Frankenjura
Foto: Rico Haase

Manche, die auszogen, um einfach nur zu klettern, verloren ihr Herz an die Fränkische Schweiz. Vier Liebeserklärungen ans Frankenjura.

Ein leichtes Prickeln in der Magengegend, ein unruhiges Ziehen im Bauch, ein kleines bisschen schwitzige Hände... der Rucksack ist gepackt, Vorfreude macht sich breit. Es geht los, zum Klettern ins Frankenjura.

Wenn man in Kleinziegenfeld um die Kurve biegt und der Straße ins Tal folgt, fällt der Blick auf grüne Hügel, gespickt mit dunkelgrünen Nadelbäumen und kleinen weißen Felstürmchen. Eine märchenhafte Stimmung prägt die Landschaft, die von Holzscheunen und Fachwerkhäusern auf der einen Seite und von erquicklich plätschernden, glasklaren Bächen auf der anderen Seite gerahmt ist. Nur noch wenige Meter, und links im Einschnitt wird die Klinge sichtbar, ein imposantes Felsdach mit eindrucksvollen Kletterlinien. Wo soll es heute hingehen? Zur Roten Wand? oder doch lieber zum Rolandfels? Einzig die riesige Auswahl an Felsen macht die „Fränggische“ zur Qual.

Denn neben dem Kleinziegenfelder Tal locken noch viele weitere felsgespickte Täler, von klaren Bächen durchzogen. Vielerorts lockt der wie fürs Klettern gemachte Kalk in allen Schattierungen zwischen weiß, grau und bis ins tiefe Schwarz, übersäht von mehr oder weniger großen Löchern und Leisten.

Wer im Frankenjura klettert, weiß, wie anspruchsvoll und kräftig das Löcherziehen hier sein kann. Hat man sich tagsüber ordentlich die Finger am fränkischen Fels langgezogen, hängt die Haut abends oft in Fetzen – trotzdem ist man erfüllt von genialen Zügen, harten Einzelstellen und dem seltsam beglückenden Gefühl völlig leergepumpter Arme. Nichts, was ein gutes Essen und etwas Ruhe nicht in Kraft und Motivation umwandeln könnten. Gutes Essen und Ruhe gibt es hier, zwischen Bamberg, Nürnberg und Bayreuth, in dieser ursprünglichen Gegend, ja genug. Ach ja, Kaffee und Kuchen, die integralen Bestandteile des Kletterns, werden glücklicherweise auch in erfreulicher Menge und Güte serviert ... was will man mehr? Auf geht‘s! Wir haben mit vier Menschen gesprochen, die ins Klettergebiet Frankenjura verliebt sind.

"Komplett abschalten" - Saskia Müller (29)

Foto: Christian Seitz
Saskia Müller (29), Route: 'Kärwazeit' (7-), Location: Castellwand, Hischbachtal

"Ich klettere seit 2016 in der Fränkischen und bin durch Freunde beim Bouldern in der Halle dazu gekommen. Seitdem fahre ich raus so oft es geht, im Sommer etwa ein bis zwei Mal pro Woche. Am liebsten habe ich meinen Mann und ein paar Freunde dabei.

Die Fränkische ist einfach perfekt zum Klettern, weil sie quasi vor der Haustür liegt und neben der tollen Landschaft eine unheimliche Bandbreite an Felsen bietet. Die große Auswahl ist richtig beeindruckend und man findet immer neue Ziele und lohnenswerte Routen. Außerdem klettert sich’s am Kalkstein meiner Meinung nach am besten.

Meine Lieblingsfelsen sind die Zimmerbergwände, das Schlaraffenland und die Castellwand, weil es hier eine super Auswahl in meinem Schwierigkeitsgrad gibt und auch noch vieles zum Projektieren anregt. Ich arbeite mich gerade im siebten Grad nach oben, aber ich bin überzeugt, dass da noch mehr geht. Seit ich an der Castellwand mit Kärwazeit meine erste 7- geschafft habe, bin ich noch motivierter, am fränkischen Fels zu klettern.

Ein tolles Erlebnis war, dass ich meine Höhenangst komplett überwunden habe – an der Sturzangst arbeite ich noch. Das Beste ist aber, dass ich hier vom Alltag komplett abschalten kann... und natürlich das Bier danach!"

Saskia Müller aus Nürnberg klettert seit der Bekanntschaft mit fränkischen Felsen noch motivierter.

"Schmetterlinge im Bauch" – Lena Böhm (28)

Foto: Christian Seitz
Lena Böhm (28), Route: Lochverstärker (9+), Location: Kuhkirchner Wand, Oberstes Wiesenttal, Instagram: @the_last_jug

"Ich wurde als Kind jedes Wochenende in die Fränkische gezerrt, um zu wandern. Beim Klettern hatte ich früher immer Angst. Im Studium habe ich dann in der Halle angefangen zu bouldern und bin erst letzten Mai das erste Mal in die Fränkische an den Fels gekommen. Für meine erste Route am Fels habe ich ewig gebraucht! Obwohl ich im Bouldern nicht gerade schwach war, dauerte es ganz schön, bis ich einen Sechser hochgeklettert bin. Ich habe wahrscheinlich einen glatten Achter daraus gemacht. Aus der Halle hatte ich halt keine Ahnung, welche Griffe man wie festhalten musste und was man eigentlich mit seinen Füßen macht. Aber das Gefühl, am fränkischen Fels zu klettern, war einfach unbeschreiblich gut. Von da an war ich gefesselt!

Seitdem gehe ich fast jeden Tag klettern, wann immer ich einen Kletterpartner finde. Wenn ich niemand finde, gehe ich spazieren und schaue mir neue Projekte an. Weil ich so unersättlich bin, gehen mir schon mal die Kletterpartner aus.

Das tollste Erlebnis, das ich im Frankenjura hatte, war meine erste 9-, die ich nach wenigen Wochen klettern abhaken konnte. Als ich den letzten Henkel in dieser Tour in der Hand hielt und den Umlenker klippen konnte, war das Gefühl besser als alles, was ich bis dahin erlebt hatte. Mittlerweile arbeite ich nur noch 60 Prozent, um mehr klettern zu können. Meine Freunde machen sich immer lustig, dass ich kaum zu Klettertrips zu bewegen bin und immer nur im Frankenjura klettern möchte.

Ich habe tatsächlich Schmetterlinge im Bauch, wenn ich in die Fränkische rausfahre und die ersten Felsen auftauchen. Die Fränkische Schweiz war und ist meine Heimat. Jetzt, wo ich das Klettern hier entdeckt habe, ist dieses Gefühl umso größer. Die Vielfalt an Routen und Felsen ist unendlich. Ein Leben reicht nicht, um alles zu klettern, was ich klettern möchte. Die Felsen und Routen reichen von kurz und boulderlastig bis zu lang und ausdauernd. An den unmöglichsten Orten stehen die beeindruckendsten Felsen rum. Man muss sich nur einmal das Planetarium anschauen! Da wandert man durch den Wald und plötzlich steht da dieses monströse Dach.

Der fränkische Wald macht das Ganze noch mal genialer. Nicht zu vergessen: die fränkische Klettergeschichte. Wer erstarrt nicht vor lauter Ehrfurcht, wenn er am Waldkopf steht und Slimline und Action directe bewundert?

Was das fränkische Kletterleben perfekt abrundet: die Menschen. Ich habe durch die Kletterei geniale Menschen kennenlernen dürfen. Auch toll finde ich die nicht kletternden Franken mit ihren kleinen Brauereien, wo man im Sommer abends nach der Kletterei bekannte Gesichter beim Feierabend-Radler trifft. Oder die Locals, die einem einen Parkplatz auf dem eigenen Hof anbieten und einen auf ein Stück Kuchen einladen..."

Lena Böhm aus Erlangen hat bereits andere Klettergebiete besucht, doch ihre Begeisterung fürs Fränkische ist ungebrochen.

"Motivierte Kletterer" - Jan Carlsen (26)

Foto: Rico Haase
Jan Carlsen (26), Route: 'Into the middle of now-where' (10+/11-), Location: Bärenschluchtwände, Püttlachtal

"Der Frankenjura ist für mich das perfekte Heimklettergebiet. Eine kurze Anreise zum Fels verbunden mit Zustiegen von wenigen Schritten erlaubt es, eine tägliche Felssession auch in Tage mit schmalem Zeitfenster zu integrieren – und das zu jeder Jahreszeit. Je nach Lust und Laune bin ich mehrmals pro Woche am Fels unterwegs. Motivierte Kletterer gibt es hier eine Menge. Seien es die eigenen Mitbewohner (Kletterer-WG mit Trainingsdachboden), motivierte Kletterer aus Bayreuth oder Umgebung, mit denen man sich dann irgendwo mitten im Frankenjura am Fels trifft. Einen Lieblingsfelsen kann ich bei der Vielzahl an schönen Orten gar nicht benennen. Felsen mit besonderer Atmosphäre fallen mir ein: Burgrub, der Wüstenstein, das Universum, das Schneiderloch und Zwergenschloss. Die Szenerie dieser Orte ist einmalig!

Erstaunlicherweise klettern von den Bewohnern der Fränkischen Schweiz nur vergleichsweise wenige. Kürzlich bin ich jedoch mit einem Motorschaden liegen geblieben – da konnte ich feststellen, wie hilfsbereit und herzlich die "Einheimischen" sind. Ich wurde mitgenommen, gespeist und die Familie hat sogar geholfen, einen Austauschmotor für meinen alten VW-Bus zu organisieren..."

Jan Carlsen aus Bayreuth würde lieber nicht mehr im Fränkischen liegenbleiben. Aber hin fährt er nach wie vor mit Begeisterung.

"Davon besessen" – Angus Kille (25)

Foto: Christian Seitz
Angus Kille (25), Route: Klondike Cat (11-), Location: Bärenschluchtwände, Püttlachtal; Instagram: @angus.kille

"Mir gefällt das Klettern im Frankenjura, weil es so viele Routen und so viele verschiedene Felsen gibt; endlos viele Projekte. Das Klettern hier ist fordernd, großartige Züge an schrecklich schlechten Griffen, es ist immer spannend. Letztes Frühjahr war ich zum ersten Mal hier, aber ich bin oft und gern wieder gekommen. Jedes Mal fahre ich mit mehr Projekten heim als ich gekommen bin. Ein Freund hat mir die Gegend gezeigt, das war hilfreich. Es gibt so viele kleine Felsen, die sich in den Hügeln verstecken, und jeder kleine Fels ist auf seine Art cool.

Super ist auch die Szene. Es gibt so viele hochmotivierte Leute, die Kletterer von außerhalb mit offenen Armen empfangen. Mein Lieblingsgebiet ist vermutlich die Bärenschlucht, weil es im Winter sonnig ist und ich so viele Routen dort projektiert habe. Aber da stehen definitiv noch so viele andere echt schöne Felsen. Es gibt so viele Klassiker hier, viele erste Routen in ihrem Grad, viele große Namen aus der Vergangenheit.

Projektieren im Fränkischen ist etwas Besonderes. Am Anfang kann man sich nicht vorstellen, die Züge überhaupt zu machen, und irgendwann jubiliert man dann, wenn man erste Sequenzen klettern kann. Und man trifft so viele inspirierende Kletterer hier. Es hat mich fasziniert, auf wie viele Arten man gut klettern kann. Das ist mir im Frankenjura immer wieder aufgefallen.
Im fränkischen Fels habe ich gelernt, winzige Griffe festzuhalten; ich habe gelernt mich im Winter zu Hause am Fingerboard aufzuwärmen. Ich habe gelernt, an den Haken zu ziehen, wenn ich nicht hochgekommen bin; und ich habe gelernt, nicht loszulassen, selbst wenn ich dachte, dass es unmöglich ist.

Ich glaube das Frankenjura kann ganz schön einschüchternd sein – so viele Routen, so viele harte Routen, und so viele echt starke Kletterer. Aber die Kletterer, ob am Fels, in der Halle oder sogar in den sozialen Medien, sind super hilfsbereit. Die Routen im Fränkischen sehen auch oft etwas abweisend und wenig inspirierend aus. Bis man einsteigt, und dann ist man davon besessen!"

Angus Kille aus Llanberis, Wales (GB), musste anfangs ganz schön einstecken, lernte dann das Frankenjura lieben – und jetzt lernt er deutsch.

Kurz-Info Frankenjura

Foto: Christian Seitz

Das Frankenjura ist Deutschlands größtes Sportklettergebiet. Tausende Routen in allen Schwierigkeitsgraden locken. Das Klettergebiet ist die Wiege des "Rotpunkt-Kletterns", also dem freien Durchsteigen im Vorstieg, das Kurt Albert nach sächsischem Vorbild etablierte. Mit der Erstbegehung von Action directe (11) gelang Wolfgang Güllich 1991 ein Meilenstein der Klettergeschichte. Auch heute entstehen hier noch neue Routen.

Allgemeines
Die Wände und Türme des Klettergebiets Frankejura bestehen aus Kalk. Die Klettergebiet Nördliches Frankenjura liegt in der Fränkischen Schweiz, Hersbrucker Alb und der bayerischen Oberpfalz, ungefähr zwischen Bamberg, Nürnberg und Bayreuth. Die meisten Sportkletterrouten sind gut eingebohrt, Keile und Cams braucht man gelegentlich, üblicherweise bis UIAA 6+ oder in speziellen Risslinien.

Beste Zeit
Die Felsen im Frankenjura bieten von Frühjahr bis Herbst gute Bedingungen. Manche Felsen sind im Frühjahr lange feucht, dies ist meist im Führer vermerkt. Im Winter lässt sich bei trockenen Bedingungen an sonnigen Wänden klettern. Einige schattige Wände bieten selbst im Hochsommer annehmbare Temperaturen.

Foto: Christian Seitz

Kulinarisches
Das Frankenjura ist berühmt für Bier und Schäuferla (Schweineschulter) aber auch Forelle schmeckt hier gut. Und natürlich Kuchen!

Online-Info:
www.frankenjura.com; Felssperrungen: www.felsinfo.alpenverein.de

Unterkünfte
Es gibt viele Gasthäuser und Campingplätze:

  • Camping Betzenstein, Hauptstr. 69, Telefon 09244 - 7305
  • Camping Fränkische Schweiz, Tüchersfeld, Telefon 09242 - 440
  • Camping Kormershof, Allersdorf, Telefon 09242 - 1042
  • Gasthof Eichler, Wolfsberg 43, Obertrubach, Telefon 09245 - 383
  • Gasthaus Zur guten Einkehr, Morschreuth, Telefon 09194 - 9140

Wissenswert

  • Es gibt im Frankenjura ein Zonierungskonzept, ein von der IG Klettern ausgehandelter Kompromiss zwischen Klettern und Naturschutz. Bitte achtet auf die Zonen und verhaltet euch entsprechend.
  • Auch im Frankenjura sind wir Kletterer Gäste. Übt Rücksicht gegenüber Anwohnern und Natur. Einfahrten und Wege nicht zuparken. Wiesen nicht betreten.
  • Kein wildes Campen, kein Lagerfeuer (außer an ausgewiesenen Grillplätzen), Felsen vor der Dämmerung verlassen (Wildschutz).

Kletterführer
Sebastian Schwertner: Frankenjura, Band 1 & 2,
10. Auflage Verlag, April 2018; erhältlich für je 34,80 €; www.panico.de oder direkt hier im klettern-Shop bestellen

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