Babsi Zangerl & Jacopo Larcher

Interview mit Babsi Zangerl und Jacopo Larcher

Babsi Zangerl und Jacopo Lacher im Interview
Foto: François Lebeau

Vom Bigwall bis zum Bouldern: Barbara Zangerl und Jacopo Larcher beantworten unsere Fragen rund um Projekte, Partnerschafte, Profi-Dasein und Plan B.

Zwei Routen habt ihr am El Capitan schon frei geklettert: 2015 El Niño, 2016 Zodiac. Morgen geht‘s wieder nach Kalifornien. Was steht diesmal auf dem Plan?
Babsi: Das müssen wir noch ausdiskutieren (lacht).
Jacopo: Ich versuche, sie zu Magic Mushroom zu überreden.
Babsi: Ich bin auch motiviert für diese Route! Ich glaube nur, dass sie brutal schwer ist. Ich würde gerne mal die Nose klettern. Das Problem ist, dass dort so viel los ist, da sind im Oktober manchmal 30 Seilschaften drin. In der Nose klettern sie auch nachts technisch. In Zodiac hatten wir den Vorteil, dass nachts alle geschlafen haben, und wir sind geklettert. Die Route haben wir zu 90 Prozent bei Nacht geklettert – von vier Uhr bis um halb neun und am Abend von halb sieben bis zwölf. 2016 hatte es Anfang November noch 30 Grad in der Sonne. Da hast du keine Chance!
Jacopo: Die Nose könnten wir vielleicht dieses Jahr klettern, Magic Mushroom wird eher ein Projekt für mehrere Jahre.
Babsi: Egal welche Route, wir wollen erstmal von unten durchklettern. Uns ist das wichtig. Am El Cap wird oft gleich von oben in die Routen reingeseilt, aber ich finde, da geht viel vom moralischen Anspruch verloren.

(Anmerkung der Redaktion: Es ist 'Magic Mushroom' geworden.)

Was macht generell die Faszination des El Cap für euch aus?
Jacopo: Das ist einfach so eine fette, imposante Wand!
Babsi: Dass es so unkompliziert ist. Was Zustieg und Wetter betrifft, ist es der einfachste Bigwall.
Jacopo: Aber man geht nicht nur deshalb hin. Die Kletterei ist völlig anders als bei uns und dadurch eine größere Herausforderung. 1000 Meter Kalk zu klettern, ist deutlich leichter. Außerdem ist am El Cap so viel Klettergeschichte geschrieben worden.
Babsi: Es ist auch völlig egal, welche Route du probierst. Du hast überall Wahnsinnslängen, die du so in keinem Rissklettergebiet Europas findest.

Im September gab es mehrere Felsstürze am El Cap, ein Kletterer kam ums Leben. Was ist euch da durch den Kopf gegangen?
Babsi: Das war brutal abschreckend für mich! Da sind ja 120 mal 50 Meter mit zwei bis acht Metern Dicke ausgebrochen. Natürlich hat man da ein ungutes Gefühl. Deshalb klettern wir diesmal ganz links und nicht im rechten Wandteil (lacht). Aber es kann überall passieren, egal, wo du bist.

Beziehungskrise in der Wand

Foto: François Lebeau
Barbara Zangerl bei ihrer zweiten Begehung des El Capitan in "Devil's Brow", der 15. Seillänge (5.13c) von 'Zodiac'.

Eure erste gemeinsame Alpintour war 2014 Moderne Zeiten an der Marmolada. Es wurde ein richtiges Abenteuer. Was habt ihr dort gelernt – alpin und über euch?
Jacopo: Da haben wir eine ordentliche Watschn bekommen!
Babsi: Es waren weniger als 100 Meter bis zum Gipfel. Wir haben uns verstiegen, und ich bin von einem Verhauerstand fast das ganz Seil ausgegangen, ohne was legen zu können – alles brüchig. Ich musste die komplette Seillänge wieder abklettern. Da habe ich voll den Moralischen bekommen. Dann flog ein Hubschrauber vorbei, aber dem wollten wir auf keinen Fall winken. Zu biwakieren wäre das Beste gewesen. Aber es war grausig kalt, und so hatten wir die glorreiche Idee abzuseilen. Einmal blieb das Seil hängen, die Quergänge mussten wir zurückklettern. Wir sind teils im Stehen eingeschlafen. Das war echt eine wilde Aktion!
Jacopo: Wir haben in dieser Tour gelernt, dass es egal ist, wie schwer du klettern kannst, wenn dir die alpine Erfahrung fehlt.
Babsi: Es ist aber nie ein böses Wort gefallen, obwohl wir unter Hochspannung standen. Das haben wir auch gelernt: dass wir richtig gut zusammenpassen.

Gab es überhaupt schonmal eine Beziehungskrise in der Wand?
Jacopo: Nein, eigentlich nicht.
Babsi: Eher sind wir grantig auf uns selbst (lacht).

Stichwort Krise: Man sagt, dass es dir extrem schwer fällt, nichts zu tun. Stimmt das, Jacopo?
Jacopo: Ja, das stimmt schon.
Babsi: Oh, er gibt es zu! (Lacht)
Jacopo: Ich brauche immer was zu tun, sonst werde ich unruhig und unzufrieden.

Nie faul auf dem Sofa fläzen?
Jacopo: Das geht gar nicht!
Babsi: Keine Chance! Selbst am Abend, wenn er schon zweimal traininiert hat. Ich werde auch unausgeglichen, wenn ich mich nicht bewegen kann – wenn ich verletzt bin zum Beispiel. Aber ich kann auch mal faul auf der Couch liegen.

Sponsoring, Verpflichtungen und Lebensunterhalt

Foto: François Lebeau
Jacopo Larcher sucht den passenden Cam im Red-Rocks-Klassiker 'Desert Gold' (5.13a) in Nevada.

Womit beschäftigt ihr euch, wenn ihr nicht klettert?
Jacopo: Meine große Leidenschaft neben dem Klettern ist das Fotografieren. Laufen gehen, Kaffee trinken, Routen bauen, aber das ist eher meine Arbeit.
Babsi: Im Winter Skifahren, Skitouren, Langlaufen.
Jacopo: Früher bin ich viel gejoggt, jetzt nicht mehr so viel.
Babsi: Und ich gehe zwischendurch zum Arbeiten ins Krankenhaus, als Röntgenassistentin.

Wieviel Prozent arbeitest Du?
Babsi: 30 Prozent, also nur fünf, sechs Tage im Monat. Ich schaue, dass ich möglichst am Stück arbeite und gleich danach wegfahre. Das wird manchmal stressig, so wie jetzt: Heute noch eine Nachtschicht und morgen in die USA fliegen (lacht).
Jacopo: Es ließe sich auch weniger stressig einrichten, aber sie macht das immer so. Wir sind beide ganz schlecht im Planen.

Welchen Anteil an eurem Einkommen macht eure Arbeit, wieviel das Sponsoring aus?
Jacopo: Wahrscheinlich würde ich nur mit dem Sponsoring irgendwie über die Runden kommen. Aber ich versuche, noch was dazu zu verdienen. Das Routen bauen macht mir richtig Spaß, und ich will dort auch auf dem Laufenden bleiben. Ich versuche, einen Plan B zu haben, da ich nicht mein ganzes Leben lang Profikletterer sein werde.
Babsi: Du nutzt deine Zeit besser, wenn du nicht immer „frei“ hast. Als ich voll gearbeitet habe, da habe ich die Tage oft noch besser genutzt und bin voll motiviert gleich in der Früh irgendwo an den Fels gefahren. Wenn du immer frei hast, ist es egal, wann du am Fels bist. Da kann man ab und zu schon ein wenig lasch werden. Es ist gut, den inneren Antrieb zu fühlen und die Motivation auch in anderen Lebensbereichen aufzutanken.

Und du Jacopo, du baust Routen. Wo und für wen?
Jacopo: Früher habe ich viel für Wettkämpfe in Italien geschraubt, derzeit hauptsächlich hier in Vorarlberg und Tirol. Klettern boomt, es gibt viel Arbeit.

Wann erfüllt ihr eure Verpflichtungen gegenüber euren Sponsoren? Und wie sehen die aus?
Jacopo: Viele denken wahrscheinlich, als gesponserter Kletterer müsse man nur schwer klettern. Aber es ist auch nebenher relativ viel zu tun: bei Events dabei sein, viel posten, viel fürs Internet schreiben, viel Fotografieren, viel Filmen. Für uns ist es sehr wichtig, ein vernünftiges Gleichgewicht zu finden, damit das Ganze nicht zu viel Business wird. Sonst würde mir das Klettern keinen Spaß mehr machen.
Babsi: Es gibt einen Unterschied zwischen amerikanischen und europäischen Sponsoren. In Amerika postet jeder Normalo jeden Tag. Und dementsprechend sieht die Erwartung an dich als Profi aus. In meinem ersten Vertrag mit einem amerikanischen Sponsor stand drin, dass ich mindestens zweimal die Woche was posten muss. Das ist Pflicht! Ich denke, es ist wichtig, dass man eine Linie findet, die authentisch ist. Wenn wir unterwegs sind, ist es leichter. Da gibt’s was zu erzählen, was die Leute interessieren könnte. Wenn wir zuhause sind, poste ich nur ab und an was.

Erste Verpflichtung ist aber, tolle Leistungen zu erbringen...
Babsi: Jein! Die Social-Media-Präsenz ist inzwischen genauso wichtig. Ich finde es erschreckend, dass Social Media heutzutage so einen Stellenwert einnimmt. Da geht es oft nicht nur um die sportlichen Geschichten und Bilder, sondern es wird mit allen Mitteln getrickst, um mehr Follower zu bekommen.
Jacopo: Mehr nackte Haut, mehr Follower... (Lacht)

Tradklettern und Nerven behalten

Foto: François Lebeau
Babsi und Jacopo im Portaledge während ihrer ersten El-Cap-Begehung über 'El Nino' (5.13c, 30SL) 2015.

2017 habt ihr beim Tradklettern mächtig abgeräumt. Haltet ihr euch für extrem nervenstark?
Babsi: Eigentlich nicht. Wenn wir von unten einsteigen und nicht wissen, was uns erwartet, können wir beide eine Krise bekommen. Wenn du weißt, wie‘s funktioniert, ist deutlich weniger Risikobereitschaft nötig.
Jacopo: Es ist auch Erfahrungssache. Wir gehen jetzt schon eine Weile viel Tradklettern, und inzwischen habe ich deutlich mehr Vertrauen in meine Cams und in mich als früher.
Babsi: Wenn ich die Züge drauf habe und weiß, dass ich nicht auf den Boden fallen werde, steige ich im Vorstieg ein. Wenn ich zweifle, nicht.
Jacopo: Wenn ich mich sehr sicher fühle, probiere ich nicht so lang, manchmal checke ich eine Tradroute aber wirklich gut aus. Das ist auch tagesabhängig.
Babsi: Ob man ausgeschlafen ist oder nicht, kann schon einen Unterschied machen, inwiefern man an diesem Tag mental belastbar ist – oder eben nicht. Habt ihr beim Tradklettern so etwas wie eine Aufgabenteilung?
Jacopo: Nein, nicht wirklich. Aber ich fühle mich manchmal verantwortlich, die Sicherungen von Babsi nochmal zu checken, auch wenn das nicht notwendig wäre. Oft knobeln wir dann, wer zuerst einsteigt.

Der Gewinner oder der Verlierer?
Jacopo: (Lacht) Der Gewinner! Meistens Babsi, weil sie fast immer gewinnt. Bei langen Routen schauen wir nie, wer welche Seillängen bekommt. Wir knobeln die erste Länge aus und steigen dann in Wechselführung. Wenn wir was Schweres klettern, steigen wir grundsätzlich beide die schwerste oder die schwersten Längen vor. In El Nino und Zodiac sind wir beide alle Längen härter als 7b vorgestiegen. Wichtig ist uns auch, dass der Nachsteiger seine Seillängen ohne Hänger durchklettert.

Foto: Jacopo Larcher
Weit über der letzten Sicherung: Babsi klettert 'The Big Issue' (E9 6c) in Pembroke, Wales.

In den Alpen habt ihr schon viele harte Routen geklettert. Gibt‘s dort noch Projekte für euch?
Babsi: Ja, noch viele! Zu viele! Ich würde gern eine von Alex Lugers Routen an der Roten Wand probieren – oder sein The Gift im Rätikon. Oder Headless Children. Es wäre aber auch toll, mal selbst was Neues zu machen!

Schon eine Idee?
Babsi: Bei uns gibt es sicher auch noch Sachen, aber die geilsten Linien sind schon eingebohrt und meist auch geklettert. Vielleicht auf einer Reise. Ich denke, in Marokko gibt es noch viel Potenzial.
Jacopo: Für Erstbegehungen musst du allerdings viel mehr Zeit investieren. Ich würde auch gerne wieder eine alpine Route eröffnen, habe aber nichts Konkretes. Im Rätikon gibt es eine alte Route, die noch nicht rotpunkt geklettert ist. Die habe ich mit Fabi Buhl probiert, aber bisher hat uns die Zeit gefehlt, richtig anzugreifen. Minotauro an der Marmolada, eine alte, wilde und schwere Technoroute, würde ich mir gerne anschauen. Momentan bin ich aber vor allem motiviert für ein Tradprojekt, eine Erstbegehung in Cadarese, die ich vor drei Jahren geputzt habe. Anfangs hat es sich unmöglich angefühlt, dann konnte ich immer mehr Passagen klettern. Ich habe noch nie so lange eine Route probiert! Die beste Zeit dafür ist das Frühjahr, deshalb will ich bis dahin richtig fit sein.

Sportklettern versus Expedition

Foto: François Lebeau
Jacopo und Babsi klettern 'Golden Shower' (8b+, 4SL), Verdonschlucht.

Zieht es euch auch an außeralpine Berge, auf Expeditionen?
Babsi: Voll! Ich war noch nie auf einer Expedition! Das wäre echt cool! Nächstes Jahr gehen wir sicher. Jacopo würde gern nach Kirgistan, ich eher nach Pakistan. Mal schauen, was es wird. Das ist wie jetzt mit Nose oder Magic Mushroom (lacht).
Jacopo: Wir sagen das eigentlich jedes Jahr, aber dann fangen wir doch was in den Alpen an.
Babsi: Aber jetzt wird’s Zeit!

Wie wär’s mit Patagonien? Dann müsst ihr nicht im Sommer weg.
Babsi: Auch so ein Wunschziel. Da sollten wir vorher aber ein wenig nach Chamonix und an den Eiger. Im Eis fehlt mir die Erfahrung, da müsste ich vor Patagonien auf jeden Fall was tun.

2017 wart ihr auch beim Sportklettern erfolgreich: Babsi ihre erste 8c+, Jacopo seine erste 9a+. Welchen Stellenwert hat das Sportklettern für euch?
Jacopo: Früher war es für mich voll wichtig, es war mein Hauptziel. Momentan sehe ich es aber eher als Training fürs Gebirge und fürs Tradklettern.
Babsi: Mir ist Sportklettern sehr wichtig, aber ich könnte mich nicht nur darauf fokussieren. Da würde ich wahrscheinlich die Motivation verlieren. Ich brauche die Abwechslung! Es ist aber schon cool, ein Sportkletter-Projekt zu haben, weil es so unkompliziert ist: Du brauchst nicht so viel Material, musst keinen Haulbag hochziehen – und du kannst dein Limit pushen.

Wann dürfen wir mit eurer ersten 9a respektive 9b rechnen?
Babsi: Einmal im Leben möchte ich schon eine 9a klettern!
Jacopo: Ich weiß nicht. Ich glaube eine Trad-9a wäre mir lieber. Mir ist es wichtiger, in allen Disziplinen ein gutes Niveau zu haben als in einer Disziplin mega­stark zu sein.
Babsi: Ich finde es auch cool, in einer Disziplin richtig schlecht zu sein (lacht). Im Ernst! Dann machst du schnell Fortschritte. Wenn du dass erste Mal Rissklettern gehst, fühlst du dich wie ein völliger Kletter-Anfänger. Wenn du vom Bouldern zum Seilklettern kommst, hast du den Pump und vielleicht Höhenangst. Neue Herausforderungen taugen mir total! Das Coolste am El Cap ist, hoch oben in der Wand in einem Portaledge unterm Sternenhimmel zu schlafen.
Jacopo: Und wenn du nach dem El Cap wieder Sportklettern gehst, fühlt sich das auch ziemlich fremd an. Ich hätte früher nicht gedacht, dass Vielseitigkeit interdisziplinär so viel bringt. Wenn du beim Rissklettern gut zu klemmen lernst, wird dir das auch beim Sportklettern und sogar beim Bouldern helfen.

Training, Stärken, Schwächen

Foto: François Lebeau
Jacopo Larcher konnte im März 2017 mit 'La Rambla' seine erste 9a+ klettern.

Wie sieht ein normaler Tag, eine normale Woche bei euch aus?
Jacopo: Im Winter haben wir eine Tagesroutine: Aufstehen, in die Halle, ich bin meistens nachmittags ein zweites Mal dort.
Babsi: Ich versuche mitzuhalten. Aber meist reicht mir ein längeres Training am Tag. Das Pensum von Jacopo ist mir oft zu viel (lacht). Im Winter trainieren wir fünf mal die Woche und gehen dazwischen öfters Skifahren. Im Sommer sind wir meist unterwegs, da schlafen wir mehr im Auto als zuhause.
Jacopo: Meist aber nur auf Kurztrips: drei, vier Tage für eine oder zwei Routen, kurz nach Hause, dann zum nächsten Ziel.

Trainiert ihr systematisch?
Babsi: Wir machen ein Aufbautraining: sechs bis acht Wochen von Anfang Januar bis Mitte Februar, zwei bis dreimal pro Woche. Da haben wir einen Boulderzirkel, den wir öfter wiederholen. Das machen wir beide gleich. Wenn ich mich schlecht fühle, breche ich ein Training aber auch mal ab.
Jacopo: Ich kombiniere die Boulderzirkel mit dem Campusboard. Ich versuche schon, ein bisschen zu planen, aber nicht so, dass ich weiß, am Montag mache ich das Programm, am Dienstag das.
Babsi: Generell trainieren wir eher freestyle – bis auf das Aufbautraining.
Jacopo: Und wir trainieren mehr Maximalkraft als Ausdauer. Wir sind in der Halle viel mehr beim Bouldern als am Seilklettern, erst gegen Ende der Trainingssaison gehen wir öfters zum Routen spulen. Das liegt auch an den Möglichkeiten hier: Die Boulderhalle ist gleich ums Eck, zum Seilklettern müssen wir 40 Minuten fahren.

Wo habt ihr noch das größte Verbesserungspotenzial?
Jacopo: Überall!
Babsi: Nein, du bist brutal fit!
Jacopo: Man kann immer besser werden! Im Plattenklettern habe ich mich zwar verbessert, meine Stärke ist es trotzdem nicht.

Was ist deine Stärke?
Jacopo: 30 Grad überhängend auf Leisten. Dächer mag ich nicht, Monos sind auch nicht meine Stärke.
Babsi: Leisten waren schon immer meine Stärke. Schwächen habe ich viele: dynamische Züge, Sprünge, Aufleger, Fingerlöcher, Körperkraft. Steif bin ich auch. Meine einzige wirkliche Stärke ist meine Fingerkraft (lacht).
Jacopo: Etwas mehr Beweglichkeit hätte ich auch gern! Ach ja: Offwidth-Klettern ist unsere Megaschwäche.

Profi-Karriere

Foto: François Lebeau
Die Sonne geht, die Conditions kommen: Babsi und Jacopo machen sich in 'Zodiac' (5.13d, 21 SL) am El Capitan zum Klettern bereit.

Was ratet ihr Nachwuchskletterern, die mit einer Profikarriere liebäugeln?
Babsi: Dass sie nicht mit einer Profikarriere liebäugeln sollten. Du musst das machen, was du liebst! Der Rest kommt automatisch – oder auch nicht.
Jacopo: Ich habe nie gedacht: Jetzt werde ich Profikletterer. Ich habe bei Firmen angefragt, ob sie mich ein wenig unterstützen können – und irgendwann hat sich das einfach so ergeben.
Babsi: Wichtig ist, kreativ zu sein und coole Projekte zu finden – und das Ganze mit guten Fotos und Geschichten mit anderen Leuten zu teilen. Einfach „nur“ harte Routen in deinem lokalen Lieblingsgebiet zu wiederholen, ist die schwierigere Variante. Mich inspiriert, von Leuten zu lesen, die reisen, Abenteuer erleben und schöne Wände, Routen oder Boulder klettern.

Wie lange denkt ihr, euer Leben so gestalten zu können?
Babsi: Keine Ahnung, wie lange das geht. Fünf Jahre sollte es auf jeden Fall noch gehen, ob länger, weiß kein Mensch. Beat Kammerlander klettert mit Ende 50 immer noch schwer und ist immer noch Profi. Und er ist eine große Inspiration für junge Kletterer. Für mich ist es mindestens so inspirierend, wenn er jetzt wieder eine alpine 8c erstbegangen und gepunktet hat, wie wenn Alex Megos eine 9b klettert.
Jacopo: Man kann das nicht planen. Es kann so schnell vorbei sein, wenn du dich ernsthaft verletzt. Aber wir haben einen Plan B. Babsi hat ihre Arbeit im Krankenhaus, ich habe den Routenbau und würde wahrscheinlich die Ausbildung zum Bergführer angehen. Mein Traum wäre, etwas mit Fotografie zu machen.
Babsi: Wir wollen aber gar nicht darüber nachdenken. Wir leben im Hier und Jetzt!

Mal ehrlich,...

Wer putzt das Auto, wer wischt Staub?
Babsi: Das Auto putze ich.
Jacopo: Ich putze das Auto nie! Das letzte Mal Staub gesaugt und gewischt habe ich, glaube ich.
Wer kocht, wer spült?
Jacopo: Ich spüle.
Babsi: Ich koche. Den Travellunch in der Wand macht aber Jacopo. Fürs Trockenfutter ist er zuständig.
Euer Lieblingsessen?
Babsi: Sag‘s! (Lacht)
Jacopo: Wenn ich ehrlich bin: Brot mit Pecorino und Tomaten.
Babsi: Sein Spitzname ist „Jacopane“, weil er so viel Brot isst.
Jacopo: Ansonsten indisches Essen.
Babsi: Mein Lieblingsessen ist Sushi und überhaupt alles mit Fisch.
Frühaufsteher oder Nachtmensch?
Jacopo: Ich bin ein Nachtmensch.
Babsi: Eher Frühaufsteher. In Zodiac ist Jacopo immer am Abend geklettert und ich um vier Uhr morgens.
Jacopo: Frühmorgens kann ich nicht klettern. Sie hat mir immer Kaffee gegeben, damit ich wenigstens sichere.
Erledigt ihr unangenehme Dinge schnell oder schiebt ihr sie vor euch her?
Babsi: So schnell wie möglich weg!
Jacopo: Ich eher nicht (lacht).
Womit kann euch der andere auf die Palme bringen?
Babsi: Wenn wir zusammen zu einem Termin müssen. Jacopo ist dann brutal langsam und der unpünktlichste Mensch, den ich kenne.
Jacopo: Und dann stresst sie mich so lange, bis ich grantig werde (lacht).
Und womit Freudentränen in die Augen treiben?
Babsi: Wenn Jacopo Wörter auf Deutsch verwechselt, weil er meinen Dialekt lernen musste anstatt anständiges Deutsch … (Lacht)
Jacopo: Wenn sie ein Curry kocht … (grinst) oder wenn sie das Klo putzt, obwohl ich an der Reihe wäre. (Gelächter)

Bio: Barbara Zangerl

Foto: François Lebeau
Barbara Zangerl.

Zwischen Vorarlberg und Tirol Am 24. Mai 1988 wurde „Babsi“ in Bludenz geboren. Kindheit und Jugend verbrachte sie dann in Strengen am Arlberg, dort begann sie 14-jährig mit dem Bouldern. Heute lebt sie mit Jacopo wieder in Bludenz.

Harte Züge, schwere Zeit Babsi entwickelte sich zu einer der stärksten Boulderinnen weltweit, 2008 zog sie mit Pura vida im Magic Wood als erste Frau eine 8B. 2009 erlitt sie einen Bandscheibenvorfall. Lange Zeit durfte sie nicht mehr abspringen, weshalb sie sich dem Seilklettern zuwandte.

Famose Ticklist End of Silence, Silbergeier, Des Kaisers neue Kleider (alle 8b+, 2012/2013), Prinzip Hoffnung (8b/+, E9/10, Bürser Platte, 2014), Bellavista (8b+, Dolomiten, 2015), Chikane (8c+) sowie Bonobo (8b) onsight (Siurana, 2017), Gondo Crack (8c trad, Cippo, 2017), Muy Caliente (E9/10 6c, Wales, 2017).

Sponsoren Black Diamond, La Sportiva, Sterling Ropes, FrictionLabs, Hafervoll, Faza Brushes, Climbskin

Bio: Jacopo Larcher

Foto: François Lebeau
Jacopo Larcher.

Die ersten Schritte Geboren wurde Jacopo am 13. Oktober 1989 in Meran, Südtirol, aufgewachsen ist er in Bozen. Mit Elf fragte ihn sein Vater, ob er an einem Kinderkletterkurs teilnehmen wolle. Er wollte.

Plastic Passion Zwei Jahre später nahm Jacopo an seinem ersten Wettkampf teil und wurde gleich Zweiter. Es folgten erste Plätze: Drei Mal italienischer Jugendmeister, drei Mal Gewinner des nationalen Lead- und Bouldercups der Jugend. 2010 wurde Jacopo italienischer Meister im Bouldern.

Die Verwandlung 2011 beendete er seine Wettkampfkarriere, um sich ganz dem Felsklettern zu widmen. Einige Highlights: Prinzip Hoffnung (8b/+, E9/10, Bürser Platte, 2014), Psychogramm (8b+ trad, Bürser Platte, 2015) Lapoterapia (8c trad, Osso, 2015), Rhapsody (E11 7a, Dumbarton, 2016), La Rambla (9a+, Siurana, 2017), Gondo Crack (8c trad, Cippo, 2017).

Gesponsert wird Jacopo von The North Face, La Sportiva, Black Diamond, Sterling Ropes, FrictionLabs.