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Test: Zustiegsschuhe 2016

Zustiegsschuhe für jedes Gelände

Zustiegsschuhe haben keine leichte Aufgabe: Sie sollen dem Fuß sicheren Halt bieten, ihren Träger in jedem Gelände vor Ausrutschen bewahren und dabei auch noch leicht sein. Wir haben neun aktuelle Zustiegsschuhe getestet.

Abseits von Gletschern, Eis und kombinierten Wänden sind die typischen Bergstiefel rar geworden. Das Spektrum der am Berg anzutreffenden schaftlosen Modelle ist dafür umso größer und reicht von Approach Shoes über Klettersteig- und Multifunktionsschuhe bis zu Trailrunning Tretern.

Ob man bei der Wahl des Schuhs mehr Wert auf Komfort, Leichtigkeit, Unterstützung des Sprunggelenks, sicheren Halt oder Kletterperformance legt, hängt primär davon ab, wozu man den Schuh verwenden will. Ebenso, ob man einen wasserdichten Schuh wählt oder nicht. Mit Membran führen nasses Gras oder eine kleine Bachquerung nicht gleich zu nassen Socken. Wasserdichte Schuhe sind aber immer noch spürbar wärmer und schwitziger.

Fakt ist, dass es bei Zustiegsschuhen die eierlegende Wollmilchsau nicht gibt – und wohl auch nie geben wird. So reicht dann auch die Palette unserer Schuhe vom „Freizeitschuh“ mit leichten Offroad-Qualitäten über Modelle, mit denen sich alle Zustiege in Mittelgebirgen locker meistern lassen, bis zu Kandidaten für alpine Zu- und Abstiege, mit denen man auch leichtere Routen im Fels klettern kann.

Sitzt und hat Luft

Wer bei langen Abstiegen keine Zehenqualen leiden will, sollte seinen Schuh so groß wählen, dass vorne ein bisschen Luft ist und man mit den Zehen auch bergab keinesfalls anstößt. Das bedeutet aber auch, dass man bergauf bei Klettereinlagen mit abgeknicktem Zehengelenk noch mehr Luft hat – und dementsprechend keinen optimalen Druck auf die Spitze bringt.

Deshalb kommt der Passform und der Schnürung eine entscheidende Bedeutung zu. Das Modell sollte dem Fuß seitlich Halt bieten, die Schnürung so selektiv zu regulieren sein, dass man beim Klettern den Vorderfuß möglichst gut fixieren und beim Bergabgehen ein Nachvornrutschen verhindern kann, ohne dabei die Blutzirkulation völlig abzudrosseln. Eine leichtgängige Schnellschnürung ist zwar komfortabler zu bedienen, der Schuh lässt sich in aller Regel aber nicht so gut für den jeweiligen Bedarf fixieren.

Alle Modelle mit bis in den Zehenbereich reichender Schnürung lassen sich gut an den Fuß anpassen. Am besten gelingt dies beim Wildfire von Salewa. Hinten sollte der Schuh so konturiert sein, dass die Ferse solide sitzt und beim Bergaufgehen nicht hochrutscht, denn sonst sind Blasen vorprogrammiert

Mit viel Profil

Sehr unterschiedlichen Ansprüchen hat auch die Sohlenkonstruktion zu genügen. Einmal soll sie vor allem an der Ferse viel Dämpfung bieten, damit bergab die Knie geschont werden. Auch sollte sie die Abrollbewegung über den Vorderfuß unterstützen, damit man bergauf nicht alles kraftaufwendig über ein abgeknicktes Zehengelenk stemmen muss.

Eine gewisse Seitenstabilität ist ebenfalls nützlich, um ein seitliches Wegknicken so weit wie möglich zu verhindern. Eine torsionssteife Sohle spart Kraft beim Queren an Hängen und beim seitlichen Antreten.

Ähnlich vielfältige Anforderungen werden an das Profil gestellt. An der Spitze und der Innenseite des Vorderfußes sorgt idealerweise eine gar nicht oder nur sehr flach profilierte „Climbing Zone“ für möglichst viel Auflagefläche und damit Reibung bei Klettereinlagen. Dahinter sollte die Profilierung deutlich tiefer und so ausgerichtet sein, dass ein Abrutschen nach hinten, beispielsweise bei Zustiegen in nassem Schrofengelände, verhindert wird.

Das tiefste und möglichst aggressiv nach vorn ausgerichtete Profil ist an der Ferse gefragt, damit der Abstieg auch auf schlammigen Wegen nicht zur Rutschpartie wird. Eine deutliche Absatzkante ist hilfreich, komplett flache Sohlen, womöglich nur mit Noppen, schneiden hier schlecht ab.

Den besten Grip bietet die Sohle von Adidas, aber auch Boreal, Dachstein, Hanwag und Meindl bieten soliden Halt in nahezu jedem Gelände. Der beste Kompromiss zwischen Grip und Kletterperformance gelingt Salewa, während die Sohlen von La Sportiva und Scarpa primär auf eine gute Eignung zum Klettern ausgelegt sind.

Keiner für Alles

Wer einen extrem leichten Schuh sucht mit dem sich auch Kletterpassagen meistern lassen, sollte zum La Sportiva TX2 greifen. Top im trockenen Gelände und zum Klettern ist auch der Gecko Lite von Sarpa. Im alpinen Terrain und auf nassem Untergrund macht dem Adidas Terrex Scope und dem Hanwag Rock Access keiner etwas vor. Den besten Kompromiss bietet der Wildfire von Salewa.


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