Sportklettern bei Olympia 2020 in Tokio

klettern olympisch? Olympische Ringe
Foto: Gemeinfrei

Anfang März gab der Österreichische Kletterverband das Wettkampf-Format für Olympia 2020 bekannt.

(Aktualisiert am 13. März 2017)

Der "Kletterverband Österreich" meldete am 11. März, dass auf der IFSC-Versammlung in Kanada das Wettkampf-Format für Tokio 2020 beschlossen wurde.

Der österreichische Wettkampfverband hatte gemeinsam mit sechs weiteren Nationen (Frankreich, Italien, Russland, Spanien, China und Japan) im Auftrag des Weltverbandes IFSC (International Federation of Sport Climbing) den Qualifikationsprozess und das Olympiaformat entwickelt.

Getestet wurden verschiedene Modelle in Voiron, Frankreich. Schwierig macht die Ausgestaltung des Wettkampfs in Tokio, dass insgesamt nur 40 Athleten fürs Sportklettern antreten dürfen, und pro Geschlecht nur einmal Medaillen vergeben werden dürfen. (Mehr zu den Rahmenbedingungen weiter unten auf dieser Seite).

Bei den nächsten Kletter-Weltmeisterschaften (Jugend- & Junioren-WM 2017 und Kletter-WM 2018, beide in Innsbruck), wird der Modus nun erstmals im Wettkampf zum Einsatz kommen. Für Tokio 2020 qualifizieren können sich Kletterer dann 2019 sowie im Frühjahr 2020.

Über die Weltcupserie sowie die Weltmeisterschaften und Kontinentalmeisterschaften sollen sich die AthletInnen für ein oder zwei sogenannte Qualifying-Tournaments qualifizieren. Diese Events werden im olympischen Kombinationsmodus ausgetragen und entscheiden schlussendlich über die 40 Teilnehmer.

So soll der Modus für Olympia aussehen:

Klettern bei Olympia in Tokio 2020 – der Modus

Eckdaten des olympischen Kombinationsformats im Sportklettern laut österreichischem Kletterverband:

  • Die olympische Kombination setzt sich aus den drei bestehenden Einzeldisziplinen Lead, Boulder und Speed zusammen.?
  • je 20 Damen und Herren qualifizieren sich für Tokyo 2020.
  • die maximale nationale Quote beträgt jeweils zwei Personen pro Geschlecht.
  • der Bewerb besteht aus zwei Runden, in denen jeweils in allen drei Disziplinen geklettert wird.
  • in allen Disziplinen kommen die jeweils aktuellen Weltcup-Modi zur Anwendung.
  • Abfolge der Disziplinen: 1. Speed, 2. Bouldern, 3. Lead.
  • Für die Erstellung des Rankings werden die Qualifikationsergebnisse aus den drei Disziplinen multipliziert.
  • Die Qualifikation wird an mindestens 2 Tagen oder alternativ 3 Tagen ausgetragen (Ziel: je Disziplin ein Qualifikationstag)
  • Die sechs AthletInnen mit dem niedrigsten Score qualifizieren sich für das Finale.
  • Im Finale werden die drei Disziplinen (direkt hintereinander) geklettert.

Beitrag vom 10. August 2016

Am 3. August hat das Internationale Olympischen Komitee (IOC) bei seiner Sitzung in Rio de Janeiro bekanntgegeben, dass 2020 in Tokio fünf bislang nichtolympische Sportarten die Sommerspiele bereichern werden:

Karate, Skateboarding, Surfen, Sportklettern und Baseball / Softball.

Diese Entscheidung folgte dem Antrag der Organisatoren für die Spiele in Tokio 2020; seit einigen Jahren dürfen die Ausrichter von Olympischen Spielen eigens gewünschte Sportarten für eine temporäre Aufnahme in den olympischen Reigen vorschlagen. Anfang August wurden nun die Vorschläge für Tokio vom IOC angenommen.

Geholfen hat dabei das Argument, dass das Sportklettern ein bei der Jugend beliebter Sport sei. Die Organisatoren in Japan planen für Olympia in Tokio außerdem, die Skate- und Kletter-Wettkämpfe in "urbanem Umfeld" in speziellen, vorübergehend installierten Anlagen durchführen wollen, und so "einen historischen Schritt" zu tun, die Spiele "jungen Leuten näherzubringen" und der den "Trend zur Urbanisierung des Sports" widerspiegelt.

Hier geht's zum Live-Stream vom Boulder-Weltcup am 13. August (Halbfinale und Finale)

Foto: Gemeinfrei Klettern Olympia Symbolbild
Wird Klettern dauerhaft olympisch? Skulptur vor dem IOC-Gebäude in Lausanne.

Pro und Contra zu Klettern bei Olympia

Derzeit gibt es viele Stimmen, die sich Olympia-kritisch äußern. Zum einen, weil die Olympia mittlerweile für viele gleichzusetzen ist mit Kommerz und Korruption. Viele empfinden es auch als unmöglich, das Besondere am Klettern in einen olympischen Wettkampf zu packen. Wobei dies auch auf die derzeitigen Kletterwettkämpfe zutrifft. Aber zum Beispiel äußerte sich David Lama in einem Interview der Deutschen Welle gegenüber skeptisch:

David Lama:
"Solange man sich dessen bewusst ist, dass ein Wettkampf noch nie die Grundidee des Kletterns widergespiegelt hat und nie widerspiegeln kann, ist es weder gut noch schlecht. Es ist schlicht und einfach egal.(...) Müsste ich persönlich die Entscheidung treffen, würde ich mich aber klar gegen die Olympischen Spiele aussprechen."

Eine positive Nebenwirkung für den Klettersport wäre sicherlich eine verbesserte Förderung mit öffentlichen Geldern für den Kletternachwuchs, bessere Trainingsbedingungen und auch eine Professionalisierung des Sports. An dem arbeitet der Alpenverein schon eine Weile. Die meisten Wettkampfkletterer begrüßen demnach auch die zumindest vorübergehende Aufnahme in die olympischen Sportarten.

Foto: IFSC | Eddie Fowke Boulder-Weltcup Kazo 2016
Anna Stöhr befindet sich seit Jahren an der Weltspitze im Bouldern.

Anna Stöhr freut sich und kritisiert das Format

Weil die zwingende Unterbringung aller drei Kletter-Wettkampfdisziplinen bislang als einzige Gewissheit nach außen gedrungen ist und die Idee einer klassischen Kombination bislang als olympischer Modus gehandelt wird, haben sich auch bereits genügend Athleten skeptisch geäußert. So sagt zum Beispiel Anna Stöhr, mehrfache Weltmeisterin und Weltcupgesamtsiegerin im Bouldern:

Anna Stöhr
"Klettern wird olympisch – einerseits wird somit ein langersehntes Ziel endlich Realität! Dies wird sich auf einigen Ebenen positiv auswirken: Die nationalen Verbände werden bessere Förderungen von ihrem Staat bekommen, was sich positiv auf die Athleten auswirken wird. Trainingslager, Wettkampfanreisen, etc... werden übernommen. Dies ist derzeit nur bei einzelnen Verbänden wie Österreich, Deutschland, Frankreich der Fall. Voraussichtlich wird Olympia auch positive Auswirkung auf das Einkommen der Athleten haben, da es leichter sein wird, Sponsoren zu finden. Außerdem werden die Events wahrscheinlich von einem breiteren Publikum besucht. Aber es gibt auch eine Kehrseite der Medaille: Drei Disziplinen (Bouldern, Lead, Speed) werden voraussichtlich zusammengefasst und nur eine Medaille wird vergeben. So einen Bewerb hat es noch nie gegeben und es stellt sich die Frage, ob man dafür ein passendes Format finden kann. Es ist schier so, als ob man Sprint, Hürdenlauf und Marathon zusammenfasst. Ob das sinnvoll und wünschenswert ist?!"

Adam Ondra muss hart überlegen

Auch Adam Ondra zweifelt. In einem Video von EpicTV äußerte er sich:

"Sportklettern kommt aus dem Felsklettern, und daraus sind die Disziplinen Lead und Bouldern entstanden; aber Speedklettern ist eine künstliche Disziplin, es hat meiner Meinung nach nicht viel gemein mit der Idee des Kletterns. (...) Deshalb denke ich, dass alles andere besser wäre als diese Kombination. Sollte diese Kombination in den Spielen kommen, werde ich hart überlegen müssen, ob ich teilnehme oder sie boykottieren werde."

Mit welcher Disziplin und welchem Modus wird Klettern olympisch?

Bleibt also noch der Modus zu klären, mit dem das Klettern Olympia verschönern wird. Denn die Vorgaben für Tokio 2020 sind streng. Als "zusätzliche" Sportarten dürfen nur rund 500 zusätzliche Athleten antreten; viele dieser Plätze werden von den Mannschaftssportarten Baseball und Softball aufgebraucht. Für den Klettersport werden insgesamt 40 Athletinnen und Athleten als vorübergehende Olympioniken antreten dürfen.

Außerdem möchte das IOC natürlich die gesamte Breite des Sports zeigen: demnach sollen sowohl Lead, Speed als auch das Bouldern im Modus vorkommen. Allerdings ist noch nicht festgelegt, dass diese Unter-Disziplinen des Sportkletterns gleich gewichtet werden und eine Art Kombination zustande kommt. Vermutlich wird es darauf hinauslaufen, dass eine Art Ausscheidungs-Modus zum Zuge kommt.

So erklärt Matthias Keller, Ressortleiter Leistungssport beim Alpenverein: "Das IOC will eine klares, leicht verständliches Ranking – und nicht langes Punkte-zusammenzählen. Wir müssen einen Modus finden, der einerseits das Klettern rüberbringt, und andererseits auch für ein Laienpublikum attraktiv ist. Es darf auch keinen Gleichstand geben. Beim bisherigen Weltcupmodus ist diese Klarheit noch nicht gegeben, aber der internationale Verband fürs Sportklettern (International Federation of Sport Climbing, IFSC) arbeitet bereits mit Hochdruck an neuen Vorschlägen". Insbesondere ist dies eine harte Aufgabe, weil das Hauptinteresse der Verbände eine permanente Aufnahme bei Olympia ist; der olympische Kletterwettkampf soll also so attraktiv wie möglich werden.

Klettern und Olympia - was ändert sich noch?

Positiv könnte man noch vermerken, dass sobald das Klettern bei Olympia antreten darf, vermutlich niemand mehr fragt, "wie hoch dein größter Berg war", wenn man erklärt, dass man klettert. Und eine weitere Entwicklung könnte eintreten, auf deren Ende wir sehr gespannt sind: Die für Tokio 2020 zuständige Japanese Mountaineering Association (JMA) überlegt derzeit, "Sportklettern" in den Namen des Verbands aufzunehmen. Die dann neu benannte "Japanese Mountaineering Sport Climbing Association” will dann darauf abzielen, die bislang eher als inkompatibel gesehenen Felder des traditionellen Bergsteigens und des modernen Wettkampfkletterns zu verbinden.

Wir sind schon gespannt, wann sich der Alpenverein dann in Sportkletterverein umbenennt.

hier geht's zum Live-Stream vom Boulder-Weltcup am 13. August (Halbfinale und Finale)

Alles rund ums Thema Wettkampf-Klettern und -Bouldern auf klettern.de




Mehr:

Letzte Meldung zum Thema Klettern und Olympia vom 7.7.2011:

Bei seiner letzten Versammlung in Durban hat das Olympische Komitee das Sportklettern auf eine sogenannte "Shortlist" für die olympischen Sommerspiele 2020 genommen.

Damit rückt das Sportklettern den Olympischen Spielen immer näher – und das nur drei Jahre nach der Anerkennung des internationalen Sportkletter-Verbandes IFSC vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC). Neben dem Wettkampfklettern sind noch weitere sieben Sportarten auf die aktuelle "Shortlist", die kurzfristige Liste, gesetzt worden: Baseball/ Softball, Wushu, Karate, Rollersports, Squash und Wakeboard, die nun alle auf eine Aufnahme in den Kanon der olympischen Sportarten hoffen. Die endgültige Nominierung der Sportarten soll Mitte 2013 erfolgen. Bis dahin will der internationale Verband IFSC mit Hilfe der nationalen Mitgliedsverbände wie dem DAV noch verstärkt Lobbyarbeit betreiben, um das Sportklettern weltweit noch attraktiver zu gestalten. Dabei gilt es, die Konkurrenten zu übertrumpfen und die IOC-Offiziellen vom Potential des Sportkletterns zu überzeugen, denn es wird nur eine neue Sportart von der "Shortlist" für die Sommerspiele 2020 ausgewählt werden.

Die Tendenz des IOC, spektakuläre, junge und puristische Sportarten aufzunehmen, zeigte sich schon bei der Entscheidung für Slopestyle bei den olympischen Winterspielen 2014 und könnte ein Hinweis darauf sein, dass auch das Sportklettern gute Karten hat. IOC-Präsident Jaques Rogge hatte die Aufnahme der Slopestyle-Sportler mit dem Argument begründet, dass die Sportart sehr schnell wachse, jung und spektakulär sei – alles auch Argumente, die auf das Sportklettern zutreffen.