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Bouldern am Fels

Draußen bouldern: ran an die Blöcke!

Am Fels Bouldern ist anders als in der Halle: Griffe und Tritte muss man erst mal finden, und vorher noch den Fels... was sonst noch anders ist, und wie man sich am besten vorbereitet, steht hier.

Kein Dach über dem Kopf, keine Theke, keine Weichbodenmatte, und die Griffe werden auch nie umgeschraubt: Draußen bouldern ist anders. Unsere Tipps helfen, dass euer Freiluft-Debüt ein Erfolg wird.

1. Was muss mit?

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So minimalistisch wie in der Halle ist die Ausrüstung für draußen nicht. Am besten packt ihr alles in einen Rucksack und stopft diesen für den Zustieg ins Crashpad, was aber nicht bei allen Matten funktioniert. Umhängetaschen, die den Blick auf die Füße versperren, sind nervig, manchmal sogar gefährlich, wenn der Zustieg anspruchsvoll ist.

Foto: Hersteller

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Crashpad: Außer an kleinen Blöcken über weichem, ebenem Untergrund ist eine Bouldermatte unverzichtbar. Bei felsigem Boden und hohen Blöcken können zwei oder mehr Crashpads nötig sein. Wer oft allein Bouldern geht, sollte sich ein großes Pad (ca. 160 x 110 cm) zulegen. Seid ihr meist in Gruppen mit mehreren Pads unterwegs, tut’s ein normales (ca 120 x 100 cm). Nützlich ist ein zusätzliches Starterpad, mit dem sich die ersten Züge bei Sitzstarts, Felsen oder der Spalt zwischen zwei Pads absichern lassen.

Chalkbag: Beim Bouldern bleibt der Chalkbag meist am Boden zurück. Standfestigkeit und die Möglichkeit, beide Hände gleichzeitig einzutauchen, sind deshalb hilfreich.

Putzhilfen: Mit einer weichen Bürste (am besten Naturborsten) werden die Griffe von Chalk oder Handschweiß befreit, ohne den Fels zu beschädigen. Praktisch für hohe Griffe ist eine auf einem Stab fixierte Bürste – zur Not eine an einen Ast getapte Bürste, besser eine Teleskop-Konstruktion. Ein Geschirrhandtuch hilft, um Sloper abzuklopfen und die Schuhe zu säubern.

Daunenjacke & Co.: Viel Zeit verbringt ihr mit Pausen. Eine Daunenjacke zum Warmhalten von Körper (und Kletterschuhen) tut fast immer gute Dienste. An kühlen Tagen schützen Handschuhe vor kalten Fingern beim Spotten.

2. Wo geht's hin?

Boulderangebot: Seid ihr in einer Gruppe unterwegs, sollte das Gebiet Boulder für jeden in seinem Schwierigkeitsbereich bieten. Wer noch nie am Fels geklettert ist, tut gut daran, sein Einstiegsniveau deutlich unter dem am Plastik anzusiedeln.

Steil oder geneigt, hart oder genüsslich? In Fontainebleau ist das Angebot für jede Kragenweite in fast allen Gebieten reichlich.Foto: Steffen Kern

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Gelände: Ebenso sind Absprunggelände und Blockgröße zu beachten. Aus vier Metern Höhe erscheint das Pad winzig, eine verblockte Landefläche stärkt die Psyche auch nicht. Wer mit Kindern unterwegs ist, sollte bedenken, dass sie nicht Hänge hinunterkullern oder in Felsspalten verschwinden können.

Zustieg: Informiert euch gut über Anfahrt und Zustieg, benutzt gegebenenfalls eine Karte oder GPS bei bekannten Koordinaten. Um einen schönen Bouldertag zu verbringen, muss man erstmal die Blöcke finden.

Klima: Ist es zu warm, ruiniert ihr euch schnell die Haut, ist‘s zu kalt, kommt auch keine Freude auf. Bezieht Höhenlage, Exposition, die Lage der Blöcke im Wald oder auf freiem Feld in eure Planung ein. Hat es am Tag zuvor geregnet, werdet ihr in einem schattigen Waldgebiet wahrscheinlich wenig Freude haben.

3. Mattenmanagement

Platzieren: Versucht, euch die Züge vorzustellen und wohin eure Flugbahn führen würde. Weichere Pads sollten die niedrigen Fallhöhen, härtere den Ausstieg sichern. Seid ihr allein und eure Pads reichen nicht für die gesamte Landezone aus, dann sichert die gefährlichsten Bereiche und die, wo am ehesten Stürze zu erwarten sind. Deckt die Spalten zwischen Pads mit Starterpads ab. Sichert Felsen, gegen die ihr stürzen oder purzeln könntet. Schräge Landungen lassen sich oft mit einer als Keil verwendeten Matte unter dem oberen Pad begradigen. Bei Sprüngen auf Mattenkanten besteht erhöhte Bänderrissgefahr!

Nicht hoch, aber meist waagrechte Körperpositionen über Felsen erfordern viele Pads.Foto: Steffen Kern

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Bewegen: Seid ihr zu mehreren, kann das Bodenpersonal die Mattenposition anpassen. Muss der Spotter auch die Pads bewegen, sollte er dies möglichst nicht während unsicheren Zügen tun. Ein beliebter Fehler bei seitwärts führenden Moves: Das Pad wird im Moment des Zugs verschoben. Gelingt dieser nicht, schwingt der Kletterer zurück – und landet unsanft dort, wo eben noch die Bouldermatte lag.

4. Sicher mit Spotter

Hoch, aber mit einem Pad okay, da vermutlich eine stabile Landung auf den Füßen erfolgen würde.Foto: Steffen Kern

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Anstatt wie ein Mehlsack runterzuplumpsen, sollten Stürze mit den Knien abgefedert werden – den Oberkörper leicht nach vorn gebeugt, sonst zieht‘s euch nach hinten. Dazu muss man aber auf den Füßen landen! Dies ist die Aufgabe des „Spotters“: den Flugkörper aufzurichten, ihn auf einen guten Landeplatz zu lenken und so Kopf und Rücken vor hartem Bodenkontakt zu schützen. Spotten erfordert volle Aufmerksamkeit und ständiges Anpassen der eigenen Position. Spottet ernsthaft oder gar nicht! Dann weiß der Boulderer zumindest, woran er ist. Bei sicheren Fußlandungen auf dem Pad nicht den Kletterer nach vorne stoßen!

Ob Purzelbäume über Felsstufen verhindern oder dem Kletterer nach wilden Sprüngen auf die Füße helfen – Spotten erfordert volle Konzentration.Foto: Steffen Kern

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Haltung: Beide Arme leicht angewinkelt erhoben, die Knie leicht gebeugt, um flexibel zu sein und Sturzenergie aufnehmen zu können. Die Finger möglichst wenig spreizen – damit reduziert ihr die Gefahr, diese durch Scherbelastungen zu verletzen.

Position: Bei senkrechter Kletterei hält man den Abstand möglichst gering, die Hände greifen den Stürzenden am Körperschwerpunkt knapp über der Hüfte. In überhängendem Gelände wird der Stürzende etwas weiter oben gefasst, da er sonst nach hinten überkippen und auf dem Kopf landen könnte. Dazu positioniert ihr euch etwas weiter entfernt, zumal auch Pendelschwünge einzukalkulieren sind.

5. Probleme lösen mit Plan

Bevor ihr angreift Schaut euch den Boulder genau an, lokalisiert sinnvolle Griff- und Trittoptionen, versucht euch erforderliche Bewegungsabläufe vorzustellen und einzuprägen. Sprich, macht euch einen Plan, anstatt sofort wild Tickmarks auf den Fels zu malen!

Stück für Stück: Fangt bei Sitzstarts nicht immer wieder vorn an. Probiert einzelne Passagen und verschiedene Lösungen („ausbouldern“). Klappt die Crux isoliert, vom Start kommend geht aber nichts? Dann bindet sie in sukzessiv längere Passagen ein. Übt auch scheinbar leichte Ausstiege. Gepumpt können diese noch den Durchstieg vermasseln. Ganz wichtig: Vergesst nicht zu atmen!

Putz-Einlagen: Chalk hilft, die Hände trocken zu halten, den Grip erhöht es nicht. Schon gar nicht, wenn es in Unmengen auf Leisten oder Slopern klebt. Reinigt die Griffe immer wieder mit einer weichen Bürste.

Pausen: Rennt nicht wie ein wilder Stier gegen den Fels an. Legt nach einigen Versuchen längere Pausen ein. Sonst geht‘s mit der Maximalkraft rapide abwärts. Vor Durchstiegsversuchen solltet ihr optimal erholt sein.

Gute Bedingungen abwarten: Dass ihr einen Sloperboulder an eurem Limit im Sonnenschein klettern werdet, ist unwahrscheinlich. Stattdessen ruiniert ihr nur eure Haut. Wartet, bis die Griffe im Schatten liegen und vertreibt euch die Zeit bis dahin anderweitig. An heißen Tagen hilft es auch, die Hände vor dem Klettern zu kühlen, etwa durch Auflegen auf schattigen Fels oder durch kurzes Eintauchen in einen kalten Bach.

6. Boulder Etikette

Warten, bis der Schatten kommt: Für Sloperprobleme sind kühle Bedingungen essentiell.Foto: Steffen Kern

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In vielen europäischen Blockrevieren geht es immer öfter hoch her. Und wo viele Menschen sind, gibt‘s nicht selten Probleme – viele Bouldergebiete sind von Sperrungen bedroht.

Hinterlasst wenig Spuren: Lasst keinen Müll zurück, auch keine Tapestreifen, Zigarettenstummel oder Essensreste! Beseitigt Tickmarks und reinigt die Griffe, bevor ihr weiterzieht! Ein absolutes No Go ist das sogenannte „Chippen“, sprich Griffe, manchmal auch Tritte zu verändern.

Nehmt Rücksicht: Parkt keine Straßen und Einfahrten zu! Manche Bouldergebiete liegen in Naturschutzgebieten oder auf Privatgrund – verhaltet euch respektvoll und macht keinen unnötigen Lärm. Unterlasst wildes Campieren, wenn dieses verboten ist! Belagert Boulder nicht, als gehörten sie euch allein!

Informiert euch: In vielen Gebieten gelten spezielle Regeln, Einschränkungen oder Verbote. Macht euch in den Boulderführern schlau und beachtet Hinweise vor Ort!

Seid gute Gäste: Konsumiert nicht nur Fels, sondern auch in Restaurants, Cafés und Läden. So helft ihr, bei der lokalen Bevölkerung für eine positive Einstellung zum Bouldern zu sorgen. Wir brauchen sie!

Achtung beim Spotten!

In dieser Grafik (mit freundlicher Genehmigung von Bergfreunde.de) lässt sich erkennen, welche Kräfte beim Spotten wirken. Das heißt im Klartext, dass ab einer gewissen Höhe das Spotten auch für den Spotter gefährlich wird. Besprecht euch am besten vor dem Start in den Boulder, wie ihr das Spotten handhabt.

Physik des Spottens.Foto: Bergfreunde

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Drei perfekte Gebiete für Bouldernovizen

Fontainebleau: Im Bouldermekka südlich von Paris wird seit über 100 Jahren gebouldert. Nirgendwo sonst finden sich so viele leichte Probleme, und in vielen der rund 100 Gebiete reicht das Angebot vom Kinderparcour bis zum achten Bouldergrad. Zwar hat der graue Sandstein vielerorts an Rauigkeit eingebüßt, die technisch anspruchsvolle Kletterei und der traumhafte schöne Wald locken aber wie eh und je. Beste Jahreszeit: Frühjahr bis Herbst

Cresciano: Gehört zu den Tessiner Topspots;, angesichts seines großen Angebots an Bouldern im fünften und sechsten Fontainebleaugrad kommen man nicht daran vorbei. Im Gegensatz zu vielen anderen Gebieten im Alpenraum sorgen hier oft moderate Blockhöhen und ebener Waldboden für sanfte Landungen. Sofern man sich dabei keine Kastanienstachel in die Haut bohrt. Beste Jahreszeit: Herbst bis Fühjahr

Galtür: Bekannt wurden die hochalpin gelegenen Blöcke in der Silvretta durch Bernd Zangerls harte Erstbegehungen. Inzwischen hat Bernd dort mit Unterstützung der Gemeinde auch einen Parcour mit knapp 50 leichten Problemen bis maximal 6B für Bouldereinsteiger und Kinder eingerichtet, allesamt mit gutem Absprunggelände und kurzem Zustieg. Und im kommenden Sommer soll das Genussangebot weiter ausgebaut werden. Beste Jahreszeit: Sommer

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